David Lunney / Andrea Lüth

02-05-2013 – 22-05-2013

 

DavidLunneyAndreaLueth  
  • photo by rudolf strobl
  • photo by rudolf strobl
  • photo by rudolf strobl
  • photo by rudolf strobl
  • David Lunney / Andrea Lüth

    02-05-2013 – 22-05-2013

     

    Drei Grätschen oder Überall nur Linien wir brauchen mehr Kreise

    Ob man den Coca-Cola Schriftzug aus dem Gedächtnis nachzeichnen kann?
    Irgendjemand bestimmt. Ich nicht. Wenn man überlegt und denkt, bleibt in der Erinnerung
    nur eines sicher. Schnörkel. Der Schriftzug geizt nicht mit Schnörkeln.
    Man wird also gefragt einen Text zu schreiben und es verhält sich wie mit dem Coca-Cola Schriftzug – man denkt nur an Schnörkel. Starren und Schnörkel.
    Da Schnörkel starren einen selten weiterbringt wird rausgegangen. Draussen starrt sich’s leichter.
    Ohne Schnörkel und Spiralen. Denn diese sind ja ohnehin das Letzte.
    Vielleicht sollte man es mal mit Gymnastik versuchen. So eine rhythmische Sportgymnastik. Spiralen geradebiegen. Tut dem Kopf und dem Kreuz gut. Man bleibt aber doch immer wieder beim Bier hängen.
    Denn was bleibt wenn die Spiralen Gerade sind? Gerade wie Spagat. Ebendieser. Und diese Figur beherrscht man nicht. Die Grätsche. Vielleicht hilft’s das Wort dreimal laut zu sagen.
    Grätsche. Grätsche. Grätsche.
    Nein. Das bringt einen auch nicht weiter.

    Ein Spagat ist allerdings nicht nur die Grätsche. Zumindest in Österreich. Bindfaden, Garn oder Zwirn. Das ist ein Spagat. Die Grätsche heißt schon zurecht so. Zurechtgrätschen.
    Wikipedia sagt, es gibt nur drei Formen des sportlichen Spagats.

    – Der Quer- oder Längsspagat – das ist der, bei dem jeweils ein Bein nach vorne und nach hinten schaut. – Der Seit- oder Herrenspagat – Beine quasi Rechts und Links gespreizt.
    – Der Überspagat – ein Spagat von mehr als 180 Grad. Wie das dann aussieht, weiß ich nicht.

    Alle drei Formen der Grätsche sind im handwerklichen Bereich eher nicht zu gebrauchen. Die können nicht gebunden werden und scheiden sowohl in der Buchbindung als auch in der Paketbindung aus.
    Der Bindfaden aber hält so manches zusammen. In allererster Linie natürlich auch sich selbst.
    In der schönsten Art, die man sich nur erdenken kann, ist Spagat gewickelt. Ganze Körbe von den Spagatkugeln will man daheim horten, nur um deren Schönheit zu bewundern. Früher von Hand gewickelt, wird das jetzt natürlich maschinell gemacht. Ich glaube nicht dass das der Qualität der Wickel einen Abbruch tut. Wahrscheinlich eher im Gegenteil. Mehr Wickel müssen her, dann hat man mehr zu Gucken.

    Nicht nur zum begaffen ist Spagat da. Oh nein, es darf auch eifrig gebunden und geknotet werden.
    Auch Fleisch darf verknotet werden. Die männlichsten Piratennarben entstehen bestimmt durch Narbennähen mit Spagat.
    Oft werden auch Speisen wie Rouladen gebunden – sonst fällt ja alles raus. Rindsrouladen die man erst entwickeln muss.
    Hier geht der Spagat quasi wie ein Lachs wieder zurück zum Ursprung. Spaghetto, der dünne Faden. Daher kommt wohl das Wort. Nudel und Roulade. Zurück zur Nahrung.

    Nun wird hier zurecht geschrien und protestiert. ‘’Überall nur Linien – wir brauchen mehr Kreise!“ Aus allen Ecken schallt der Ruf. Und wer hört’s? Ich zeige auf. Hier, ich hab’s gehört.
    Also Schluss mit all den Linien. Spagat wieder zu Kugeln gewickelt.
    Schnell also das Thema gewechselt und was Rundes getippt. Tiptip. Tiptop. Tiptop getippt. Möglicherweise will es die Continuity, dass ich hier mit Lebensmitteln weitermache.

    Also bitteschön, liebe Continuity.
    Ein Rundes Lebensmittel, dass allerdings in den seltensten Fällen einen exakten Kreis als Querschnitt hat, ist die Kartoffel. Aber Rund immerhin. Auch hier wird sprachlicher Kolorit verlangt. Im Osten Österreichs wird hier eher das schöne Wort Erdapfel verlangt. Die schönen Pflanzen zu deren Familie auch der gute Tabak gehört (Da klopft die Frage an die Tür, ob schon jemals jemand versucht hat Kartoffeln zu Rauchen. Das wäre wohl aber gesellschaftlich nicht so anerkannt wie Tabakrauchen, denn Lebensmittel sind nur in zweiter Linie für den Genuss bzw. den Rausch da. Erst wird immer an die armen hungernden Kinder in Afrika gedacht. Erst wird gestopft und dann gespielt.) werden in so manchem Science- Fiction-Film auch gerne verwendet um Asteroiden oder Meteoriten zu simulieren. Wer weiß, vielleicht hat schon Spielberg eine Kartoffel am Mond vorbeigeschossen. Wahrscheinlich war E.T. eine Kartoffel.
    Umlaufbahnen um Himmelskörper sind ja generell eher selten gerade Linien, sondern meist Kreisförmig – zumindest von elliptischer Art. Also Rund. Eher wie Rouladenwickelspagat.

    (Jakob Breit, 2013)

     

    Fotos: Rudolf Strobl